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Mundart in der Schule

In 1500 Mundartstunden 15.000 Schüler erreicht
Zu seiner 16. Tagung traf sich der 2003 von den Mundartvereinigungen „Muettersproch-Gsellschaft e.V.“ und „schwäbische mund.art e.V.“ ins Leben gerufene „Arbeitskreis Mundart in der Schule“ im Vereinsheim des Trachtenvereins Zimmern o. R. Das bei der Gründung erklärte Ziel hieß, die Mundarten Alemannisch, Schwäbisch und Fränkisch in den Schulen des Landes durch Begegnungen von Klassen und Mundartkünstlern als wertvolles Kulturgut und wichtiges Spracherbe nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
„Mit mehr als 700 Mundartveranstaltungen in den letzten 15 Jahren, bei denen 15.000 Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen erreicht wurden, haben wir die anfängliche Skepsis widerlegt und können auf eine Erfolgsgeschichte zurückblicken“, bilanzierten Franz-Josef Winterhalter und Dr. Wolfgang Wulz, die beiden Vereinsvorsitzenden während der jüngsten Arbeitssitzung. Erstaunlich sei für viele die Rückmeldung aller Beteiligten, dass bei den Angeboten in den Klassen mit hohem Anteil an Kindern und Jugendlichen mit nichtdeutscher Muttersprache das Interesse und die begeisterte Mitarbeit oft größer seien als beim einheimischen Nachwuchs.
Die schulbezogenen Angebote sind auf der Webseite des Arbeitskreises zu finden, wo sich die Lehrkräfte unkompliziert darüber informieren können, welche Darbietungen zur Belebung ihres Unterrichts möglich sind.
Die Mundart-Tagung erarbeitete auch die Ausschreibung des mit Preisgeldern in Höhe von 2.500 Euro dotierten „5. Mundartwettbewerbs in den Schulen“. Unter dem Motto „Naseweis & wunderfitzig“ werden die baden-württembergischen Schulen im Schuljahr 2018/19 aufgerufen, sich mit Projektarbeiten von Klassen, schulischen Arbeitsgemeinschaften oder von einzelnen Schülergruppen zu bewerben.
„Der Schulwettbewerb ist mein Lieblingsprojekt, denn die Qualität der Beiträge ist umwerfend, wie etwa 2016 die von der Multimedia-AG einer Grundschule produzierte CD ‚Schwäbisch im Unterricht – 100 Ideen für Lehreinnen und Lehrer‘, die inzwischen in etlichen Lehrerzimmern herumgereicht wird“, meinte Siegfried Mager, 2. Vorsitzender des Freiburger Arbeitskreises „Alemannische Heimat“ und seit 2004 alljährlicher Gastgeber.
Von links: Franz-Josef Winterhalter, Klaus-Dieter Reichert, Siegfried Mager, Pius Jauch, Friedel Scheer-Nahor, Heidi Zöllner,  Martha Meyer, Wendelinus Wurth, Dr. Wolfgang Wulz, Hanno Kluge
Von der Lust am schwäbischen Spott
Kabarettistin Sabine Essinger beim Besuch am OHG in Nagold
Zehntklässler für Schule und Unterricht zu begeistern ist immer eine Herkulesaufgabe. Das ist auch bei den Jugendlichen am Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) in Nagold nicht anders. Beim Vortrag von Kabarettistin Sabine Essinger hörte die zehnte Klasse von Felicia Nastal dennoch aufmerksam zu. Nastal, die Deutschlehrerin der Klasse, möchte den Schülern den schwäbischen Dialekt näher bringen.
„Schwabenschule“ aus Sindelfingen und „Alemannenwanderung“ aus Zell im Wiesental gemeinsam auf Platz 1
Die Klasse 5a des Goldberg-Gymnasiums Sindelfingen sowie Viertklässler der Gerhard-Jung-Schule Zell im Wiesental belegten beim „4. Mundartwettbewerb in den Schulen“ zusammen den ersten Platz und nahmen überglücklich das Preisgeld in Höhe von je 500 Euro mit nach Hause.
Die Goldberg-Gymnasiasten brillierten mit dem Filmprojekt „Die Schwabenschule oder ‚Was isch a Muggaseggele?‘“ Daran beteiligt waren 30 Schüler aus 15 Nationen, die im Filmplot eine „Schwabenschule“ besuchen, um Sprache und Eigenheiten der Urbevölkerung kennen zu lernen, und sich dabei trotz ihres Migrationshintergrunds humorvoll und lustbetont mit der Mundart und dem „Ländle“ beschäftigen.
Mit „Üsi schöni Hohi Möhr“ betitelten die Grundschüler aus dem alemannischen Wiesental die Dokumentation ihrer Wanderung auf den örtlichen Hausberg, die Gesangs-, Bild- und Wort-Collagen enthält.

Wendrsonn in Bestform
Beim Benefizkonzert für „Mundart in der Schule“ im vollen Herrenberger Mauerwerk brachten Bandleader Markus Stricker, Sängerin Biggi Binder und ihre Mannschaft das Publikum aus dem sonst eher ruhigen „Gäu“ einmal mehr zu brausendem Applaus. Mit ihrem schwäbischen Folkrock hat die Band aus dem Rems-Murr-Kreis inzwischen die wichtigsten Bühnen im Südwesten erobert. Fetzige und zugleich durchgehend musikalisch hochwertige Parts, dazu die im „Wendrsonn-Stil“ interpretierten schwäbischen Volksweisen (Widele wedele, Auf em Wase, In Mudders Stübele), aber auch sehr poetische Mundartballaden (Wiegalied, Do ben i dahoim), aus denen das bis heute besondere, melancholische Lebensgefühl des oberen Murrtales und des Schwäbischen Waldes atmet, machten den Abend für Schwaben und Reigschmeckte zu einem großen Erlebnis.
Mit dem Erlös können wieder mehrere schwäbische Doppelstunden in den Schulen organisiert werden. Neu: auch Wendrsonn darf künftig in kleiner Besetzung von Lehrerinnen und Lehrern kostenlos für den Unterricht gebucht werden. (schule@mund-art.de; www.mundart-in-der-schule.de)

Mundart in der Schule im Fernsehen
Erstmals wurde eine Veranstaltung des Projekts Mundart in der Schule auch im Fernsehen gezeigt. Unser Künstler Wulf Wager besuchte die Klasse 3 der Gemeinschaftsschule Magstadt.
Ermöglicht wurde diese Veranstaltung im Kreis Böblingen durch die Kulturstiftung der Kreissparkasse.



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